Die wahren Kosten des Autoverkehrs

By | 16. September 2016
Foto: Alper Çuğun (Attribution 2.0 Generic, CC BY 2.0)

Foto: Alper Çuğun (Attribution 2.0 Generic, CC BY 2.0)

Von Beatrix Wupperman, Initiative Volksentscheid Fahrrad, Blog Bremenize

Auto fahren ist teuer, nicht nur für die Fahrer selbst, sondern auch für die Gesellschaft: Investitionen für den Kfz-Verkehr und die Folgekosten des motorisierten Individualverkehrs (MIV) sind ein wesentlicher Grund für unsere hohe Staatsverschuldung. Denn die externen Kosten des Autofahrens, also die Kosten, die der Autofahrer nicht aus eigener Tasche zahlt, werden der Gesamtgesellschaft aufgebürdet: Das sind für den privaten Autoverkehr vor allem die Kosten nach Unfällen (30,9 Prozent), des Klimawandels (17,6 Prozent), der Luftverschmutzung (12,7 Prozent) und des Lärms (5,2 Prozent). Das ermittelte das IWW-INFRAS im Oktober 2004. Hinzu kommen die Kosten für die Bereitstellung und den Erhalt der Infrastruktur für den motorisierten Verkehr, die ein Vielfaches der Kosten für Radwege betragen.

Gesellschaft zahlt 15 Cent je Kilometer
Das Kopenhagener Institut COWI hat errechnet, dass jeder Autofahrer in der Stadt pro gefahrenem Kilometer die dänische Gesellschaft 0,15 Euro kostet (im Berufsverkehr steigt dieser Wert auf 0,27 Euro). Dagegen vermehrt ein Fahrradfahrer den gesellschaftlichen Wohlstand pro geradeltem Kilometer um 16 Cent – denn er oder sie ist fitter, das Fahrrad stößt keine giftigen Gase oder Treibhausgase aus, und es macht keinen Lärm.

Kopenhagen hat mit seiner Rechnung auch gezeigt, dass es für die Stadt am günstigsten ist, wenn die Menschen vom Auto direkt aufs Fahrrad umsteigen. Zwar werden auch durch das Umsteigen in die öffentlichen Verkehrsmittel externe, gesamtgesellschaftliche Kosten vermieden, der Vermeidungseffekt ist beim Fahrrad aber bis zu 10-mal größer als beim ÖPNV.

Milliarden-Ersparnisse durch Fahrrad-Gesetz
Vorsichtig geschätzt werden in Berlin pro Tag rund 33 Millionen Kilometer im Auto zurückgelegt. Dabei entstehen pro Tag rund 5 Millionen Euro externe Kosten für die Gesellschaft. Angenommen, dass die Hälfte dieser Autokilometer durch das Rad ersetzbar ist, könnte die Gesellschaft einen Vorteil von etwa 3 Millionen Euro pro Tag realisieren und sie würde externe Kosten in Höhe von 2,5 Millionen vermeiden. Der Gesamteffekt läge bei rund 5,5 Millionen Euro am Tag – pro Jahr macht das rund 2 Milliarden. Kurz: Die Lebensqualität in Berlin steigt mit der Abnahme der Autofahrten in der Stadt, und die volkswirtschaftlichen Kosten sinken, damit wird auch der Staatshaushalt weniger geschröpft. Das ist gut für alle Menschen – auch für diejenigen, die niemals Rad fahren. Die Kosten für das Fahrrad-Gesetz (RadG) hätte man in kürzester Zeit mehrfach wieder reingeholt.

Aber auch auf der Ebene der privaten Kosten profitieren die Berliner beim Umstieg aufs Fahrrad: Ein VW Golf mit 1,4-Liter-Motor kostet den Fahrer beispielsweise 49 Cent pro Kilometer, während Radfahren mit 3,5 Cent je Kilometer viel günstiger ist. Carsharing-Kunden kennen diesen Vergleich nur allzu gut. Sie entscheiden bei jedem Weg, welches Verkehrsmittel sie wählen, und können die Kosten ihrer Verkehrsmittelwahl leichter ermitteln. Sie neigen automatisch zu einer intelligenteren Wahl als diejenigen, die ein Privatauto vor der Tür stehen haben und regelmäßig das für sie teuerste Verkehrsmittel bevorzugen.