Erneut Radfahrer in Berlin getötet, immer wieder gleiche Unfallart – Initiative gedenkt und protestiert am Montag

Von | 21. August 2016

Berlin, 21. August 2016. Vergangenen Donnerstag wurde der elfte Radfahrer in diesem Jahr in Berlin getötet. Fast immer sind rechts abbiegende Lkws die Ursache. Die Bürgerinitiative Volksentscheid Fahrrad gedenkt dem kiezbekannten Opfer am Montag und fordert verpflichtende Assistenzsysteme oder Beifahrer in allen Lkws.

In diesem Jahr sind bereits so viele Radfahrer auf Berlins Straßen umgekommen wie im gesamten letzten Jahr. Vergangenen Donnerstag wurde ein im Kiez bekannter und geschätzter Briefträger getötet, als er mit dem Fahrrad die Paul-Schneider-Straße befuhr. Ein rechts abbiegender Lkw-Fahrer sah den Radler offenbar nicht und nahm dem geradeaus Fahrenden möglicherweise die Vorfahrt – das ist die häufigste Unfallart zwischen Kfz und Fahrrad. Ob die Spiegel korrekt eingestellt waren und der Fahrer lange genug hineingeschaut hat, ist noch nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich hätte ein Assistenzsystem oder Beifahrer den Unfall verhindert.

Der Volksentscheid Fahrrad ruft die Berliner dazu auf, am Montag, 22. August um 19 Uhr zur Kaiser-Wilhelm-Straße, Ecke Paul-Schneider-Straße, 12247 Berlin zu kommen. Dort wird die Bürgerinitiative dem Getöteten mit einem Sit-in gedenken. Außerdem fordern die Veranstalter den Senat dazu auf, nur noch Lkws mit Abbiege- und Bremsassistent oder Beifahrer auf die Straßen Berlins zu lassen. „Nur so kann das Töten gestoppt werden“, ist sich Daniel Pöhler vom Radentscheid sicher. „Von alleine tun die Spediteure nichts, weil sie die Kosten scheuen. Es müssen verbindliche Regeln her, um das Leben der Menschen zu schützen, die in Berlin mit dem Fahrrad unterwegs sind.“

Bei dem Opfer vom Donnerstag handelt es sich um den elften Toten unter den Radfahrern in diesem Jahr in Berlin. Auf dieser Strecke ist er der dritte tote Radfahrer innerhalb von vier Jahren und der zweite an genau derselben Kreuzung. Alle drei wurden von rechts abbiegenden Lkws getötet. Die Opfer waren mehrheitlich über 55 Jahre alt.

Im gesamten vergangenen Jahr betrug die Zahl der Todesopfer unter den Radfahrern in Berlin zehn und war bereits viel zu hoch. Zum Amtsantritt von Verkehrs-Staatssekretär Gaebler gab der Senat das Ziel aus, die Anzahl der bei Verkehrsunfällen im Berliner Stadtgebiet getöteten und schwer verletzten Menschen bis Ende 2020 gegenüber dem Basisjahr 2011 um 30 Prozent zu verringern. Damit verfolgt der Senat nach eigenen Angaben die Vision, dass auf Berliner Stadtgebiet langfristig keine Verkehrsunfälle mit schweren Personenschäden mehr geschehen. Bislang haben die Politiker in dem Punkt klar versagt.

Hintergrund-Informationen und Links:

Polizei-Pressemeldung: http://www.berlin.de/polizei/polizeimeldungen/pressemitteilung.510203.php

Überlebenstechnik für Radler und Fußgänger:
http://www.adfc.de/ueberlebenstechnik/ueberlebenstechnik

30-Prozent-Ziel des Senats:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/politik_planung/sicherheit/programm/

Facebook-Veranstaltung des Sit-in:
https://www.facebook.com/events/1012527262193442/

Tweets zum Thema #Senatsversagen:
https://twitter.com/hashtag/Senatsversagen?src=hash

 

Ansprechpartner für die Presse:
Kerstin Stark, 0172 135 76 08 (bis 23. August), presse@volksentscheid-fahrrad.de
Heinrich Strößenreuther, 0160 97 44 23 95 (ab 24. August)

Pressemitteilungen und Bildmaterial des Radentscheids finden Journalisten unter:
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