Aktion „Asthma-Lazarett“ zur R2G-Verhandlungsrunde Gesundheit

By | 24. Oktober 2016

Berlin, 24. Oktober 2016. Die Initiative Volksentscheid Fahrrad protestiert heute um 18:00 Uhr vor dem Berliner Roten Rathaus gegen die Vergiftung unserer Berliner Luft durch Verkehrsabgase. Anlass sind die zeitgleich stattfindenden rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen zum Themenbereich Gesundheit im Inneren des Rathauses. Die Aktivisten werden in Reih und Glied in einem improvisierten “Asthma-Lazarett” auf dem Asphalt liegen. Sie setzen ein Zeichen gegen die andauernde Grenzwertüberschreitung und dauerhafte Gesundheitsschädigung.

In Berlin wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Grenzwerte für Schadstoffe und Feinstaub in der Luft überschritten. Insbesondere die Stickstoffdioxidbelastung ist deutlich zu hoch, die Werte lagen in den vergangen 15 Jahren konsequent über dem festgelegten Grenzwert. Die Folgen sind Herz-Kreislauf-, Krebs- und Atemwegserkrankungen.

“Einmal tief durchatmen hilft im Alltag, aber nicht, wenn uns die Berliner Luft krank macht”, so Kristin Manz, Aktivistin im Volksentscheid Fahrrad. “Wir fordern die Koalition auf, das Radverkehrsgesetz bis März 2017 in Kraft zu setzen, um unsere Gesundheit zu schützen und Fahrverbote zu vermeiden”.

Zeitgleich zur tagenden Koalitionsverhandlung  wird vor dem Roten Rathaus ein „Asthma-Lazarett“ aufgebaut. Die Aktivisten des Volksentscheid Fahrrad legen sich mit improvisierten Feldbetten auf den kalten Asphalt, eingehüllt in weiße Bettlaken. Krankenschwestern und -pfleger mit Mundschutz und in Schutzanzügen kümmern sich um die Asthma-Kranken. Per Lautsprecher werden den verhandelnden Koalitionären von Rot-Rot-Grün im 5-Min-Takt die Fakten zu “Auto – Abgase – Vergiftung” zugerufen. Die Fahrrad-Ambulanz liefert laufend Neu-Erkrankte ein, so dass sich das Lazarett immer mehr füllen wird.

Der Anteil der Asthmatiker hat in den vergangenen Jahre deutlich zungenommen, inbesondere bei Kindern. Neben dem erhöhten Erkrankungsrisiko verschlechtert sich bei bereits kranken Personen der Verlauf durch schadstoffbelastete Luft deutlich. Kinder sind besonders gefährdet, da sie schneller atmen und sich in ihren Lunge vermehrt Giftstoffe sammelt. Auch Sportler und Beschäftigte, die schwer körperlich arbeiten, sind vermehrt betroffen.

Der motorisierte Verkehr ist in Berlin der mit Abstand größte Luftverschmutzer. Das Radverkehrsgesetz (RadG) kann für sicheres Radfahren sorgen, lockt Autofahrer aufs Fahrrad und reduziert damit die Abgase. “Das RadG ist eine der wichtigsten Gesundheitsmaßnahmen für Berlin”, so Kristin Manz. “Während die Abgase und die Lärmbelastung durch vermehrtes Fahrradfahren sinken, steigt die Fitness und das reduziert Gesundheitskosten.”

In den vergangenen Jahren wurden die Überschreitungen von Schadstoffgrenzwerten in der Luft vom Berliner Senat immer wieder in Kauf genommen, also wider besseres Wissen existierende Messwerte und bestehende Klagen ignoriert. Die Aktivisten des Volksentscheid Fahrrad machen der neuen Koalition von Beginn an deutlich, dass für eine gute Luftqualität in der Stadt mehr getan werden muss.

Seit kurzem ist auch der Abgas-Alarm-Melder des Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln online, mit dem man die tagesaktuellen Grenzwertüberschreitungen per E-Mail abonnieren kann (http://nsfw.fahrradfreundliches-neukoelln.de/de/). „Wir möchten die Bevölkerung informieren und zum Protest gegen die dauerhafte Luftverschmutzung aufrufen“, sagt Yvonne Hagenbach vom Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln: „Denn Politik und Verwaltung bleiben trotz der Gesundheitsrisiken durch Luftverschmutzung tatenlos.” Bereits in den ersten Tagen wurden die Abonnenten aufgrund von zu hohen Schadstoffbelastungen alarmiert.

Weiterführende Links / Quellen:

Bei 8,6 % der Erwachsenen und 6,3 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland wurde eine Asthma-bronchiale Erkrankung diagnostiziert. Der Anteil der an Asthma erkrankten unter sechsjährigen Kinder ist von 2006-2012 um ein Drittel gestiegen: https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GesundAZ/Content/A/Asthma/Asthma.html

Hintergrundinformation zu Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerten: http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub und http://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/stickstoffoxide

Die verkehrsbedingten Stickoxidwerte (NO2) in Berlin erreichen fast flächendeckend gesundheitsgefährdende Werte. Dies ist das Ergebnis einer von Greenpeace und der Universität Heidelberg durchgeführten Stichprobe. Gemessen wurde insgesamt 41 Mal an Hauptverkehrsstraßen, in Innenräumen, Schulen und verkehrsberuhigten Wohngebieten: https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/dicke-luft-berlin

Abgas-Alarm-Melder des Netzwerkes Fahrradfreundliches Neukölln: http://nsfw.fahrradfreundliches-neukoelln.de/de/

Video der Aktion “Husten, wir haben ein Problem”: https://vimeo.com/153487219

Facebook-Link zur Aktion: https://www.facebook.com/events/1876355289263143/

Fotos der Aktion zur kostenlosen Nutzung online: https://www.picdrop.de/volksentscheidfahrrad/Presse

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad: https://volksentscheid-fahrrad.de

Diese Pressemitteilung im Online-Bereich: https://volksentscheid-fahrrad.de/presse/pressemitteilungen/

Ansprechpartner für die Presse im Team Volksentscheid Fahrrad:

Heinrich Strößenreuther, 0160 – 9744 2395, presse@volksentscheid-fahrrad.de

Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln, 0163 -766 8022,  netzwerk@fahrradfreundliches-neukoelln.de

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexperten, Demokratie-Retter und Fahrrad-Enthusiasten. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielssetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wähler. Nach einer rechtlichen Prüfung wird das RadG damit zur Abstimmung im Abgeordnetenhaus eingebracht. Über 100 aktive Mitstreiter organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung. Der gemeinnützige Trägerverein Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. wurde gegründet und ermöglicht es der Initiative, Spenden entgegenzunehmen.