Author Archives: Kersta

Update zur Automacho-Kampagne: Ein How-to Anzeigestellen

Viele Kommentare zu unserer Petition auf change.org/automacho und Erfahrungsberichte von Radfahrenden mit Automachos beziehen sich auf die Frage des richtigen Umgangs mit diesen Vorfällen.
Unser Rat: Du wurdest von einem Automacho beleidigt, bedrängt, geschnitten, angepöbelt – lass das nicht auf Dir sitzen, erstatte Anzeige. Mit der Anzeige zeigst Du dem Automacho, dass sein Verhalten Folgen für ihn hat.

Wir haben ein How-to-Anzeige bei Beleidigung zusammengestellt, damit Du beim nächsten Mal gut gewappnet bist und nicht macht- und ratlos zurückbleiben musst. Ein ganz ähnliches Vorgehen gilt auch, wenn du dich bedroht, bedrängt oder anderweitig durch das Verhalten des Autofahrers gefährdet siehst.
P.S. Natürlich gilt dies nicht nur für weibliche Radfahrende.

Das illustrierte How-to findest Du auch nochmal hier.

Es ist strafbar, andere zu nötigen oder zu beleidigen, so viel steht fest. Das Strafrecht bietet ein breites Spektrum an Straftatbeständen zur Verfolgung aggressiven und gefährdenden Verhaltens im Straßenverkehr: Nötigung, Beleidigung oder Gefährdung des Straßenverkehrs, um die Wichtigsten zu nennen. Die Folgen reichen von einer Geldstrafe über den Führerscheinentzug bis hin zum Freiheitsentzug. Als Betroffene fehlt oft das nötige Wissen, was zu tun ist, und oft gibt es große Unsicherheit, was bei einer Anzeige auf eine*n zukommt.
Es ist wichtig, Anzeige zu erstatten, denn so gibt es die Chance, dass der Automacho mit seinem schlechten und gefährdenden Verhalten nicht einfach davonkommt. Wird er belangt, wird ihm beim nächsten Mal die Beleidigung nicht mehr so locker über die Zunge gehen. Und wenn doch, und wird er wieder angezeigt, zeigt er damit, dass er sich offenbar nicht unter Kontrolle hat. Bei einer Gerichtsverhandlung wirkt sich wiederholtes Verstoßen gegen Regeln und Gesetze auf das Strafmaß aus. So wird dem Automacho vielleicht sogar der Führerschein entzogen.

Was kann ich also tun, wenn ich beleidigt wurde?

1. Ich pöble nicht zurück, sondern bewahre die Fassung. Denn sonst kann der Automacho mich auch anzeigen.

2. Ich merke und notiere mir das Kfz-Kennzeichen. Im besten Fall mache ich ein Foto mit meiner Handykamera.

3. Ich versuche mir den Autofahrer anzusehen und mir sein Aussehen zu merken. Wenn die Möglichkeit besteht, mache ich auch ein Foto von ihm. In jedem Fall fertige ich so bald wie möglich im Anschluss ein Gedächtnisprotokoll an, notiere alles, was mir aufgefallen ist – Merkmale des Autofahrers, die Farbe des Autos, das Modell – sowie den Tathergang inklusive Orts- und Zeitangabe. Kommt es zur Gerichtsverhandlung, spielen diese Details eine wichtige Rolle für die Indentifizierung und Überführung des Täters.

Hintergrundinfo: Brauche ich (weitere) Zeugen? Zeug*innen sind immer gut, aber gerade im fließenden Verkehr ist es nicht einfach, mögliche Zeugen zu finden und anzusprechen. Vor Gericht geht der Richter, die Richterin grundsätzlich davon aus, dass ich die Wahrheit spreche, weil ich mich sonst selbst strafbar machen würde. Im Strafprozess wird die Anklage von der Strafanwaltschaft vertreten, als Betroffene bin ich also nicht Klägerin, sondern trete selbst als Zeugin auf. Das Prinzip Aussage gegen Aussage gilt nicht, es ist Aufgabe des Richters oder der Richterin über meine Glaubwürdigkeit und die des Angeklagten zu urteilen. Ein weiterer Zeuge ist also nicht notwendig.

4. Ich stelle Anzeige bei der Polizei. Dazu gibt es mehrere Wege. In Berlin kann ich dies auch einfach online auf der “Internetwache” tun (https://www.internetwache-polizei-berlin.de/). Oder ich gehe zur nächsten Polizeidienststelle oder erstatte postalisch Anzeige. Bei Anzeigeerstattung sollte mich die oder der Polizeibeamte danach fragen, ob ich einen Strafantrag stellen möchte, was ich bejahe.
Hintergrundinfo: Bei der Beleidigung handelt es sich um ein sogenanntes Antragsdelikt. Das heißt, Anklage wird nicht automatisch erhoben, sondern nur, wenn die Betroffene einen Strafantrag stellt. Anders verhält es sich bei Delikten wie der Nötigung oder der Gefährdung des Straßenverkehrs, diese werden “von Amts wegen” verfolgt und eine Anzeige genügt.

5. Warten auf die Polizeiermittlungen und die Staatsanwaltschaft:
Konnte der Halter des Fahrzeuges identifiziert werden, muss nun der Fahrer ermittelt werden. In Deutschland gilt keine Halterhaftung und theoretisch kann der Fahrzeughalter sein Auto an eine andere Person verliehen haben. Er kann es zumindest behaupten. Die Polizei wird mir zur Identifizierung des Fahrers Fotos vorlegen.
Streitet der Halter also ab, dass er gefahren ist, ist es wichtig, den Fahrer beschreiben und wiedererkennen zu können.
Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob sie das Verfahren wegen geringer Schuld einstellt oder weiterverfolgt.
Hintergrundinfo: Eine Einstellung kann erfolgen, wenn die Schuld des Täters als gering einzustufen ist und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht. Ein Verfahren kann auch gegen Zahlung einer Geldauflage oder ähnliches eingestellt werden. Spätestens bei wiederholten Verstößen kommt es dann zur Bestrafung des Täters, da die vorherigen Einstellungen bei der Staatsanwaltschaft vermerkt werden.

6. Kommt es zur Gerichtsverhandlung, muss ich als Zeugin auftreten. Da ich nicht die Klägerin bin, muss ich auch keine Verfahrenskosten tragen oder eine Anwältin oder einen Anwalt nehmen.

Das Stellen einer Anzeige macht also in jedem Fall Sinn. Der Beschuldigte bekommt mindestens eine Anzeige ins Haus und erfährt, dass sein Handeln Folgen hat.

Zusammen gegen #Automachos – Unterzeichne und verbreite die Kampagne unter change.org/automacho

Büroteam: Gaia Reiner

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Wer steckt eigentlich hinter dem Volksentscheid Fahrrad? Wer sind diese Menschen, die Radfahren in Berlin einfach nur sicher und entspannt machen wollen? Die dafür sorgen, dass die Berliner Politik sich dreht und die sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass unser machbares Radgesetz schleunigst in Kraft gesetzt wird? Diesmal stellen wir Gaia Reiner vor.

Gaia ist seit Mai 2017 Praktikantin beim Volksentscheid. Sie begrüßt neue Engagierte auf ihre herzliche und offene Art und unterstützt sie bei den ersten Schritten durch unsere Abläufe und Aktivitäten.

Die gebürtige Römerin lebt seit frühester Kindheit in Berlin und ist gerne mit ihrem Rennrad unterwegs. Sie setzt sich dafür ein, dass beim Radfahren in Berlin endlich die Freude im Vordergrund steht und nicht länger von der Todesangst im Verkehrschaos überdröhnt wird. Die Schönheit des Fahrradfahrens vermittelte ihr ihr Vater: Der fährt bei wirklich jedem Wetter mit dem Rad und gemeinsam haben sie viele Touren auf zwei Rädern unternommen.

In ihrer Tätigkeit zwischen Schule und Studium erlebt sie, wie Partizipation verkrustete Strukturen aufbricht und ist jedes Mal begeistert, wie einfach man Ideen im Team entwickeln und umsetzen kann. Unermüdlich und stets gelassen ist sie dabei, Aktive für Veranstaltungen oder Aktionen zu motivieren. Sie erinnert die zahlreichen Mitglieder, wichtige Neuigkeiten und Termine für den Newsletter bereitzustellen, ergänzt wichtige Zusatzinformationen und sorgt mit ihrer flotten Schreibe dafür, dass der Newsletter zum Lesevergnügen wird.

Dank Deiner Spende oder Fördermitgliedschaft kann Gaia sich für den Volksentscheid einsetzen und das Büroteam tatkräftig unterstützen. Mit einer Finanzspritze kannst also auch Du Gaia und den Volksentscheid in der ganzen Republik voranbringen.

Frauen des Volksentscheids Fahrrad starten #Automacho-Kampagne und richten Petition an Spitzenpolitiker

Berlin, 20. Juli 2017. Die Frauen des Volksentscheids Fahrrad starten heute die #Automacho-Kampagne. Damit machen sie auf herabwürdigende Beleidigungen und aggressive Konfrontationen mit Autofahrern aufmerksam:  “Schlampe”, “Fotze” oder “Hure” – im Straßenverkehr machen Frauen Erfahrungen, die in anderen Bereichen nicht mehr toleriert werden. Mit einer Change.org-Petition fordern die Radfahrerinnen die Berliner Spitzenpolitiker auf, eindeutig Stellung gegen aggressive und oft sexistische “Automachos” zu beziehen. Der Weg dahin ist die zügige Verabschiedung und Umsetzung des RadGesetzes: Mit geschützen Radwegen und fairer Flächenverteilung werden viele Konfliktsituationen entschärft.

Frauen berichten immer wieder, wie sie von Männern aus ihren Autos heraus beschimpft, angepöbelt oder genötigt werden. Dies hat den Anstoß für den Start der Kampagne gegeben. Das aggressive Verhalten und der mehr oder minder offene Sexismus sollen öffentlich thematisiert werden.

“So oft wie auf dem Fahrrad werde ich nirgendwo als Schlampe oder Fotze beschimpft. Daran wird deutlich, dass es im Straßenverkehr noch an Zivilisation fehlt und das Recht des Stärkeren zu gelten scheint. Aus der Schutzzone des Autos heraus hat man natürlich leichtes Spiel”, sagt Johanna Dickershoff, Mit-Initiatorin der Kampagne. So ein Verhalten dürfe nicht länger toleriert werden.

“Als Radfahrerinnen wollen wir uns im Straßenraum bewegen, ohne jeden Tag aufs Neue den unfairen Kampf mit Autofahrern austragen zu müssen. Die Schonfrist der Automachos muss endlich vorbei sein. Wir fordern flächendeckend baulich getrennte Radwege und ein klares politisches Signal, dass Radfahrende den gleichen Anspruch auf öffentlichen Raum haben“, so Kerstin Stark, Mit-Initiatorin der Automacho-Kampagne und Mitglied im Verhandlungsteam des Volksentscheids Fahrrad.

Tatsächlich zeigen diverse Umfragen und Statistiken wie z. B. des Kraftfahrzeugbundesamtes, dass sich Männer im Straßenverkehr aggressiver, gefährdender und rücksichtsloser verhalten. So werden unzulässiges Überholen, Schneiden anderer Verkehrsteilnehmer*innen und Alkohol am Steuer zu 92 % von Männern verantwortet. 84 % aller entzogenen Führerscheine gehören Männern und 77 % aller Geschwindigkeitsüberschreitungen gehen auf das Konto von männlichen Fahrern. Die Quote der Frauen, die wegen aggressiver Tendenzen zu einer MPU müssen, geht in Deutschland gegen Null, erläutert Kathrin Müller, eine Expertin des TÜVs. Eine Vergleichsstudie besagt, dass Deutsche europaweit die aggressivsten Autofahrer sind, wenn es um Drängeln, Beschimpfen und Stinkefinger zeigen geht.

Automachos sind eine radikale Minderheit unter den Autofahrern, aber sie schüren die Aggressivität im Verkehr. Die Petition richtet sich an die männlichen Spitzenpolitiker von Berlin, damit sie öffentlich Stellung beziehen. Sie haben es in der Hand, sich für das Radgesetz und eine Verkehrswende zu mehr Fairness und Sicherheit einzusetzen.

Aktuell wird der Referentenentwurf für das Berliner Radgesetz in einem gemeinsamen Prozess unter anderem mit der Initiative Volksentscheid Fahrrad erarbeitet. Damit sollen z. B. geschützte Radwege an allen Hauptstraßen, sichere Radfurten an Kreuzungen und Fahrradstraßen ohne Durchgangsverkehr verbindlich gemacht werden – Voraussetzungen dafür, dass die Flächenkonkurrenz nicht auf dem Rücken der schwächsten Verkehrsteilnehmenden ausgetragen wird. Damit die Verabschiedung des Radgesetzes noch in diesem Jahr gelingt, müssen sämtliche Stolpersteine ausgeräumt werden und alle Koalitionsfraktionen an einem Strang ziehen.

“Wir bitten alle, Frauen und Männer, Menschen aus Berlin und bundesweit, Radfahrende wie Autofahrende, um die Unterstützung unserer Petition. Stellvertretend für Deutschland bringen wir die Verkehrswende in Berlin voran. Wir Frauen vom Volksentscheid gehen noch einen Schritt weiter und setzen ein Zeichen für einen zivilisierten Umgang miteinander, auch im Straßenverkehr”, sagt Kerstin Stark.

Die Petition kann unter www.change.org/automacho unterschrieben werden. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite des Volksentscheids Fahrrad unter www.volksentscheid-fahrrad.de/de/Automacho sowie auf Facebook https://www.facebook.com/VolksentscheidFahrrad/videos/1101286153336761/ . Unter dem Hashtag #Automacho können auf Facebook, Twitter und Co. Erfahrungen und Perspektiven zum Thema gepostet werden.

Weiterführende Informationen und Links:

Link zum Kampagnen-Video: https://www.facebook.com/VolksentscheidFahrrad/videos/1101286153336761/

Link zur Petition auf Change.org: www.change.org/automacho

Blog zur Automacho-Kampagne: www.volksentscheid-fahrrad.de/de/Automacho

Sehr umfangreiches Factsheet mit diversen Quellen, Links und Artikeln: https://volksentscheid-fahrrad.de/wp-content/uploads/2017/07/170714-Factsheet-AutoMacho-Petition.pdf

Studie: Deutsche sind europaweit die aggressivsten Autofahrer: Drängeln, Beschimpfen, Stinkefinger zeigen: Nirgendwo in Europa rasten Autofahrer so häufig aus wie in Deutschland: http://www.euractiv.de/section/eu-innenpolitik/news/studie-deutsche-sind-europaweit-die-aggressivsten-autofahrer/

Online-gestellter Entwurf des Radgesetz aus der Verhandlungsgruppe: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/gesetz/

Diese Pressemitteilung im Online-Bereich: https://volksentscheid-fahrrad.de/presse/pressemitteilungen/

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad: https://volksentscheid-fahrrad.de

Ansprechpartnerin für die Presse im Team Volksentscheid Fahrrad

Kerstin Stark, 0172 – 135 7608, presse@volksentscheid-fahrrad.de

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexperten, Demokratie-Retter und Fahrrad-Enthusiasten. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben Die neue Koalition hat zugesagt, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen, ein Mobilitätsgesetz auf Basis des RadGesetzes bis Frühjahr 2017 in Kraft zu setzen und ab 2018 jährlich mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege zu investieren. Über 100 aktive Mitstreiter organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung. Der gemeinnützige Trägerverein Changing Cities e.V. wurde gegründet und ermöglicht es der Initiative, Spenden entgegenzunehmen.

Automacho

Klare Kante gegen #Automachos zeigen, für faire und sichere Verhältnisse im Straßenverkehr!

Mit dieser Aufforderung haben die Frauen des Volksentscheids Fahrrad eine Petition auf Change.org gestartet. Damit machen wir auf herabwürdigende Beleidigungen und aggressive Konfrontationen mit Autofahrern aufmerksam:  “Schlampe”, “Fotze” oder “Hure” – im Straßenverkehr machen Frauen Erfahrungen, die in anderen Bereichen nicht mehr toleriert werden.

Wir fordern die Berliner Spitzenpolitiker in der Petition auf, eindeutig Stellung gegen aggressive und oft sexistische “Automachos” zu beziehen. Der Weg dahin ist die zügige Verabschiedung und Umsetzung des RadGesetzes: Mit geschützen Radwegen und fairer Flächenverteilung werden viele Konfliktsituationen entschärft.

Unterzeichne auch Du die Petition unter change.org/automacho und zeige klare Kante gegen #Automachos!

Maile Deine Freundinnen und Freunde und Bekannten an und bitte sie, ebenfalls zu unterzeichen. Verbreite die Petition über Facebook und Twitter. Auch wenn sich diese Petition an Politiker in Berlin richtet, gibt es dieses Problem überall in Deutschland. Und falls Du als Mann zwar noch nicht als Schlampe beschimpft worden bist, das aggressive Verhalten von Automachos aber auch kennst,  darfst auch Du klar Stellung beziehen: Bitte unterzeichne auch Du mit.

Das erste Video zur Petition findest Du auf unserer Facebook-Seite.

Mehr Informationen findest Du auf unserer Webseite unter volksentscheid-fahrrad.de/de/automacho/

Neuigkeiten zur Kampagne und Erlebnisse von Frauen mit Automachos werden wir auf Facebook und Twitter posten, unter #automacho kannst Du deine Perspektive und Erlebnisse posten.

Halte Dich auf dem Laufenden und verbreite die Petition in Deinen Netzwerken!

 

 

100.000 Menschen bei weltweit größter Fahrrad-Demonstration fordern RadGesetz-Referentenentwurf bis zum 30. Juni

Berlin, 9. Juni 2017. Der Volksentscheid Fahrrad ruft im Rahmen der ADFC-Sternfahrt zur weltweit größten Fahrrad-Demonstration auf. Vor einem Jahr haben über 100.000 Menschen für das RadGesetz des Volksentscheids unterschrieben, am Sonntag werden über 100.000 Menschen dafür demonstrieren, dass der rot-rot-grüne Senat bis Ende Juni das gemeinsam verhandelte Radgesetz als Referentenentwurf in den parlamentarischen Ablauf einspeist. Denn nur so kann noch das Radgesetz noch dieses Jahr in Kraft treten. Seit Wochen warten Verbände und die Initiative Volksentscheid Fahrrad sowohl auf einen neuen Verhandlungstermin als auch auf einen konkreten und verbindlichen Zeitplan für die rechtliche Prüfung.

Das Radgesetz ist ein zentrales Wahlversprechen der Grünen und ein wichtiger Punkt des Koalitionsvertrages. Die Koalition wollte den Entwurf Ende März fertig verhandelt haben. Seitdem haben die Initiativen mehrfach ein Bekenntnis zu einem klaren Zeitplan sowie juristische Unterstützung angemahnt, bislang ergebnislos. Der Volksentscheid Fahrrad fordert nun vom Senat eine klare Aussage, wann das Radgesetz juristisch überarbeitet und dann fertig verhandelt vorliegen wird.

“Es liegt in den Händen von Frau Günther als verantwortliche Senatorin, dass die rechtliche Überarbeitung des Entwurfs in den nächsten 10 Tagen abgeschlossen, dass das Radgesetz bis Ende Juni fertig verhandelt und am 30. Juni als Referentenentwurf online gestellt wird”, fordert Kerstin Stark, Mit-Initiatorin des Volksentscheids. “Dafür demonstrieren wir mit mehr als 100.000 Radfahrern.”

‘Fahrradland Deutschland. Jetzt!’ – so die bundesweite Botschaft der ADFC-Sternfahrt, bedeutet für Berlin ‘Radgesetz Jetzt!’ Bereits Anfang April wurden die Eckpunkte vorgestellt, die gemeinsam mit SPD, Linken, Grünen sowie ADFC, BUND und Volksentscheid Fahrrad verhandelt wurden. Die Eckpunkt liegen nun schon seit Ende April als Eckpunkte-Papier vor, ein Gesetzesentwurf seit Anfang Mai.

“Wir erwarten, dass sich Frau Günther hier stärker einbringt, um ihren eigenen Zeitplan zu halten. Unsere kürzliches Gesprächsangebot wurde bisher nicht angenommen,” erklärt Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksentscheid. “Nach Trumps Absage an den Klimaschutz sollte man gerade jetzt von ihr erwarten, dass sie den wichtigsten Hebel für CO2-Reduktionen mit höchster Priorität, termingerecht und ehrgeizig vorantreibt.”

Nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Klimaschutz sind insbesondere bundesdeutsche Städte und andere Industrieländer gefordert. Das von der Initiative vorgelegte Radgesetz bewirkt eine schnelle CO2-Reduktion von 40 %, da es durch sichere und attraktive Radwege mehr Menschen aufs Rad lockt.

Der Verkehr ist weltweit das Problemkind des Klimaschutzes, da hier bislang keine Fortschritte erreicht wurden. Tatsächlich sind Verkehrsinfrastrukturen gefordert, die den Rad- und Fußverkehr attraktiv machen und selbstverständlich dafür, in überschaubarem Maße, Parkplätze und Fahrspuren umwidmen. Das leistet das gemeinsam verhandelte Radgesetz.

„Radfahren ist gut für den Klimaschutz und gut für Berlin“, sagt Peter Feldkamp von der Initiative. „‚Global denken‘ heißt jetzt, die amerikanische Klimaschutzpolitik schnellstens zu kompensieren und sehr konkret lokal zu handeln: Das Radgesetz wird der Belastungstest für die Ernsthaftigkeit des Klimaschutzes in der rot-rot-grünen Koalition!“

„Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Verkehrswende längst überfällig. Die Bürger Berlins haben sie der rot-rot-grünen Koalition vor die Füße gelegt. Alle Umfrage bestätigen mehr als 70 % Rückhalt für dieses Vorhaben – worauf wartet die Senatorin noch, wenn sie ihrem Anspruch auf eine Berliner Führungsrolle in Deutschland und international gerecht werden will?“, fragt Kerstin Stark, Doktorandin im Bereich Mobilität, Stadtentwicklung und Klimaschutz, Mit-Initiatorin des Volksentscheids und Mitunterzeichnerin der Erklärung zur ‘New Urban Agenda’.

Weiterführende Links

Entwurf Radgesetz gem. Verhandlungsgruppe: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/gesetz/

Hinweise zu bisherigen Eskalationen: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2017/03/17/volksentscheid-fahrrad-bittet-anwaltskanzleien-um-hilfe-nach-dem-ablauf-des-100-tage-programms-von-rot-rot-gruen-3529/

Vorstellung der Eckpunkte Anfang April: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2017/04/06/dialog-radgesetz-hat-wichtige-etappe-abgeschlossen-3606/

Youtube-Video zum Zusammenhang Globaler Verantwortung und konkreter Umsetzung vor Ort: https://www.youtube.com/watch?v=gVAWFPkFHvw

Die New-Urban-Agenda-Erklärung zum Klimaschutz an den Regierenden Bürgermeister von Berlin zur UN-Habitat-III-Konferenz von Prof. Dr. Rammler und über 100 weiteren führenden Wissenschaftlern aus den Bereichen Klima, Mobilität und nachhaltige Stadtentwicklung: https://volksentscheid-fahrrad.de/new-urban-agenda/

Link zur Präsentation zu dieser Erklärung sowie zu dem Klimaschutzbeitrag: https://volksentscheid-fahrrad.de/wp-content/uploads/2016/05/160530-Präsentation-New-Urban-Agenda-fin-1.pdf

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad: https://volksentscheid-fahrrad.de

Informationen zum Volksentscheid retten: https://volksentscheid-retten.de

Diese Pressemitteilung im Online-Bereich: https://volksentscheid-fahrrad.de/presse/pressemitteilungen/

Ansprechpartner für die Presse im Team Volksentscheid Fahrrad

Heinrich Strößenreuther, 0160 – 9744 2395, presse@volksentscheid-fahrrad.de

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexperten, Demokratie-Retter und Fahrrad-Enthusiasten. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielssetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wähler. Nach einer rechtlichen Prüfung wird das RadG damit zur Abstimmung im Abgeordnetenhaus eingebracht. Über 100 aktive Mitstreiter organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung. Der gemeinnützige Trägerverein Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. wurde gegründet und ermöglicht es der Initiative, Spenden entgegenzunehmen.

Nach Trump-Absage schnellstens mit RadGesetz Klimabeitrag leisten

Berlin, 2. Juni 2017. Nach der Trump-Absage zum Klimaschutz fordert die Initiative Volksentscheid Fahrrad die Senatorin für Umwelt, Klima und Verkehr, Frau Günther, zu schnellem und professionellem Handeln auf. Sie soll das verhandelte und ausformulierte RadGesetz bis Ende Juni als Referentenentwurf einbringen, damit es spätestens im Oktober vom Abgeordnetenhaus in Kraft gesetzt werden kann. Das RadGesetz bewirkt bis 2030 eine CO2-Reduktion des Berliner Verkehrssektors von 40 % und ist damit Vorbild für andere Städte in Deutschland und weltweit.

Nach der Absage von Trump an den internationalen Klimaschutz sind insbesondere die Städte und andere Industrieländer gefordert. Das von der Initiative vorgelegte RadGesetz bewirkt eine schnelle CO2-Reduktion von 40 %, da es durch sichere und attraktive Radwege mehr Menschen aufs Rad lockt. Die Eckpunkte des RadGesetzes sind fertig verhandelt, alle Parteien der Regierungskoalition saßen dabei am Tisch. Inzwischen liegt auch eine juristische Ausformulierung vor.

„Frau Günther soll zeigen, dass sie das RadGesetz in einer hauptstadttauglichen, für den Klimaschutz notwendigen Geschwindigkeit so schnell wie möglich in Kraft setzt. Berlin muss hier eine weltweite Vorbild-Rolle einnehmen“, fordert Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksentscheids und Klima- und Verkehrsexperte. „Es gibt keinen Grund für die rot-rot-grüne Koalition, den Klimaschutz in diesem Bereich weiter auszubremsen und der Politikverdrossenheit Vorschub zu leisten.“

Der Verkehr ist weltweit das Problemkind des Klimaschutzes, da hier bislang keine Fortschritte erreicht wurden. Tatsächlich sind Verkehrsinfrastrukturen gefordert, die den Rad- und Fußverkehr attraktiv machen und selbstverständlich dafür in überschaubarem Maße Parkplätze und Fahrspuren umwidmen. Das leistet das gemeinsam verhandelte RadGesetz.

„Radfahren ist gut für den Klimaschutz und gut für Berlin“, sagt Peter Feldkamp von der Initiative. „‚Global denken‘ heißt jetzt, die amerikanische Klimaschutzpolitik schnellstens zu kompensieren und sehr konkret lokal zu handeln: Das RadGesetz wird der Belastungstest für die Ernsthaftigkeit des Klimaschutzes in der rot-rot-grünen Koalition.“

Mehr als 100 Klima- und Verkehrswissenschaftler haben vor genau einem Jahr den damaligen und heutigen Regierenden Bürgermeister Michael Müller aufgefordert, zu handeln und das RadGesetz in Kraft zu setzen.

„Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Verkehrswende längst überfällig. Die Bürger Berlins haben sie der rot-rot-grünen Koalition vor die Füße gelegt.  Alle Umfrage bestätigen mehr als 70 % Rückhalt für dieses Vorhaben – worauf wartet die Senatorin noch, wenn sie ihrem Anspruch auf eine Berliner Führungsrolle in Deutschland und international gerecht werden will“, fragt Kerstin Stark, Doktorandin im Bereich Mobilität, Stadtentwicklung und Klimaschutz und Mit-Initiatorin des Volksentscheids und Mitunterzeichnerin der Erklärung zur ‘New Urban Agenda’.

Weiterführende Links

Entwurf RadGesetz gem. Verhandlungsgruppe: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/gesetz/

Youtube-Video zum Zusammenhang Globaler Verantwortung und konkreter Umsetzung vor Ort: https://www.youtube.com/watch?v=gVAWFPkFHvw

Die New-Urban-Agenda-Erklärung zum Klimaschutz an den Regierenden Bürgermeister von Berlin zur UN-Habitat-III-Konferenz von Prof. Dr. Rammler und über 100 weiteren führenden Wissenschaftlern aus den Bereichen Klima, Mobilität und nachhaltige Stadtentwicklung: https://volksentscheid-fahrrad.de/new-urban-agenda/

Link zur Präsentation zu dieser Erklärung sowie zu dem Klimaschutzbeitrag: https://volksentscheid-fahrrad.de/wp-content/uploads/2016/05/160530-Präsentation-New-Urban-Agenda-fin-1.pdf

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad: https://volksentscheid-fahrrad.de

Informationen zum Volksentscheid retten: https://volksentscheid-retten.de

Ansprechpartner für die Presse im Team Volksentscheid Fahrrad

Heinrich Strößenreuther, 0160 – 9744 2395, presse@volksentscheid-fahrrad.de

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexperten, Demokratie-Retter und Fahrrad-Enthusiasten. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielssetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wähler. Nach einer rechtlichen Prüfung wird das RadG damit zur Abstimmung im Abgeordnetenhaus eingebracht. Über 100 aktive Mitstreiter organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung. Der gemeinnützige Trägerverein Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. wurde gegründet und ermöglicht es der Initiative, Spenden entgegenzunehmen.

Ausschreibung Fundraiser/in

Der Volksentscheid Fahrrad hat gezeigt, dass die Verkehrswende von unten machbar ist. Dieses Know-how werden wir in die Berliner Bezirke und andere Städte tragen und bundesweit Initiativen und Kampagnen für nachhaltige Mobilität, Verkehrswende und lebenswerte Städte anstoßen und unterstützen. Dafür haben wir den gemeinnützigen Verein Changing Cities e.V. gegründet. Deine Aufgabe ist es, zusammen mit dem Team von Changing Cities und den Ehrenamtlichen die finanziellen Mittel des Vereins sicherzustellen, um unsere Aktivitäten weiterhin durchführen und ausbauen zu können. Wir suchen ab sofort eine/n Fundraiser/in in Teilzeit für unser Büro im Spreefeld in Berlin.

Hauptaufgaben

  • Fundraising-Strategie gemäß den Stärken und Möglichkeiten weiterentwickeln
  • Bedarfsgerechte Fundraising-Kampagnen und Aktionen planen und mit Unterstützung der Ehrenamtlichen und des Büroteams durchführen
  • Einzelspender*innen und Fördermitglieder durch Spendenmailings und Fundraisingaktionen gewinnen und langfristig binden
  • Kontakte zu Stiftungen aufbauen und Projektanträge formulieren
  • Datenbestände in unserer Salesforce-Datenbank einpflegen,
  • Kontrolle und Monitoring unseres Fundraisings, z.B. im Rahmen von wöchentlichen Reportings

Anforderungen und Kompetenzen

Du hast bereits professionell als Fundraiser/in gearbeitet? Du hast Lust und Möglichkeiten, Dich mit Schwung in einer Teilzeitstelle zu engagieren? Du kennst Dich in ehrenamtlichen, aber hoch professionellen Organisationen aus? Du kennst Dich mit Fundraising-Tools aus und kannst sie professionell einsetzen? Du textest souverän Spendenmailings? Dir macht Verwalten von großen Datenmengen Spaß? Du arbeitest strukturiert und kannst Dinge auf den Punkt bringen? Du kannst anpacken, etwas auf die Beine stellen und Dich dann über den Erfolg freuen? Du bist hoch kommunikativ und arbeitest gerne im Team? Du kannst Freiwillige für Aktionen begeistern und koordinieren? Und als Bonus: Du begeisterst Dich für Themen wie Nachhaltigkeit und Mobilität?

So geht’s weiter: Falls Du mindestens sechs Mal beherzt Ja sagen kannst, dann schick uns Deine Bewerbung möglichst bald an bewerbung@volksentscheid-fahrrad.de. Wir freuen uns auf Deinen Lebenslauf, relevante Zeugnisse, Referenzen und einen kurzen Pitch, warum Du unser Fundraising unterstützen möchtest. Wir melden uns dann bei Dir.

Bewerbungsschluss ist der 07.08.2017

Einladung zum Pressegespräch: Dialog Radgesetz stellt Ergebnisse und Zeitplan vor

Seit Mitte Februar haben die Initiator*innen des Volksentscheids Fahrrad, der ADFC Berlin und der BUND Berlin gemeinsam mit dem Senat und den rot-rot-grünen Regierungsfraktionen über das erste Radgesetz in der Bundesrepublik verhandelt. Die Beteiligten wollen in einem Pressegespräch wesentliche Eckpunkte für das Gesetz und den weiteren Zeitplan vorstellen.

WANN?  Donnerstag, 6. April 2017 | 9:00 Uhr (Sic!) 

WO?  Berliner Abgeordnetenhaus, Raum 311, Niederkirchnerstr. 5, 10117 Berlin 

Weitere Informationen findest Du in der Einladung zum gemeinsamen Pressegespräch hier zum Download.

Volksentscheid Fahrrad bittet Anwaltskanzleien um Hilfe nach dem Ablauf des 100-Tage-Programms von Rot-Rot-Grün

Berlin, 17.03.2017. Der Volksentscheid Fahrrad bittet Berliner Anwaltskanzleien um Hilfe: Gesucht werden ab sofort Pro-bono-Anwälte, die bei der Erarbeitung des Radverkehrsgesetzes kurzfristig in den Arbeitsgruppen einspringen können. Damit bis zum 4. April das Radgesetz samt Anhang fertig verhandelt ist, benötigen wir erhebliche Zusatzressourcen. Nach sieben Verhandlungstagen ist noch keiner der 45 Paragrafen endgültig abgestimmt.

Die Fraktionen, Senat und Initiativen haben gemeinsam beschlossen, dass am 4. April das Mobilitätsgesetz Teil III Radverkehr und ein Radverkehrsrahmenplan fertig verhandelt und abgestimmt ist. Am 19. Oktober soll das Radgesetz dann mit höchstens redaktionellen Änderungen im Abgeordnetenhaus beschlossen werden.

Sieben Verhandlungstage sind inzwischen verstrichen, fünf stehen noch an. Auch wenn nach langem Drängen der Initiative Volksentscheid Fahrrad endlich der Senat juristischen Beistand zugesagt hat, sitzen die Fraktions- und Verbandsvertreter in den meisten Arbeitsgruppen ohne Rechtsexpertise. De facto schreiben die Verkehrsexperten des Volksentscheids Fahrrad, des ADFC und des BUND ein zweites Mal ein Radverkehrsgesetz.

„Wenn aus dem Mobilitätsgesetz kein BER werden soll, brauchen wir dringend juristische Verstärkung für die Arbeitsgruppen“, sagt Kerstin Stark vom Volksentscheid Fahrrad, die bereits letztes Jahr den Radverkehrsgesetzesentwurf der Initiative mit erarbeitet hat. „Wir bitten daher die radbegeisterten Anwälte und Anwältinnen Berlins, sich für ehrenamtliche Arbeit von ihrer Kanzlei, Verband oder Unternehmen freistellen zu lassen und uns zu helfen.“

Die Schlussverhandlungsrunde ist für den 4. April geplant. Bislang ist noch keine Gesetzeszeile von 45 zu verhandelnden Paragrafen abgestimmt. Der Arbeits- und Diskussionsstand insgesamt liegt deutlich unter 20%. Das Gros der Arbeit für den Gesetzesteil, den Radverkehrsrahmenplan und die Begründungs- und Erläuterungstexte für die einzelnen Paragrafen lastet auf den Schultern der Initiative und der Verbände.

„Wir haben keine Ahnung, wie das klappen soll, wenn die Arbeit überwiegend am ehrenamtlichen Engagement der Initiativen hängen bleibt: Erst wirft uns der Senat Steine in den Weg, beauftragt für 30.000 Euro Anwaltskanzleien gegen uns, feiert sich für seinen Koalitionsvertrag und lässt uns in den 100 Tagen Rot-Rot-Grün die Arbeit alleine machen“, ärgert sich Peter Feldkamp vom Volksentscheid Fahrrad. „Gutes Regieren, Partizipation und Respekt vor Bürgerengagement fühlt sich anders an.“

Nach Abschluss der Verhandlung am 4. April nimmt sich die Koalition Zeit, das Gesetz gemächlich durch alle Ausschüsse zu reichen. Erst am 19. Oktober soll es im Abgeordnetenhaus entschieden werden.

„Wir hätten von einer Koalition, die politische Verantwortung für mehr Verkehrssicherheit übernehmen will, mehr Tempo, mehr Ressourcen und bessere Koordination erwartet“, fasst Heinrich Strößenreuther vom Volksentscheid die Situation zusammen. „Bei Vidoeüberwachung und Anti-Terror-Politik kann es nicht schnell genug gehen – Verkehrstote haben keine Priorität.“

Für Kanzleien, Unternehmen und Verbände, die uns unterstützen möchten: Wir suchen (Syndikus-)Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte mit Kenntnissen im Verkehrs- und Verwaltungsrecht, die in den nächsten 18 Tagen flexibel und pro bono an diversen zwei- bis dreistündigen Arbeitsgruppensitzungen teilnehmen können. Spendenquittungen können wir über unseren gemeinnützigen Trägerverein ausstellen.

Weiterführende Links:

Noch unvollständig beantwortete Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz zu den Modalitäten und Kosten der Beauftragung eines Rechtsgutachtens gegen den Entwurf des Radgesetzes des Volksentscheids Fahrrads: https://volksentscheid-fahrrad.de/de/2017/01/08/volksentscheid-fahrrad-beantragt-offenlegung-des-geisel-gutachtens-und-zugehoerigen-schreibens-gemaess-informationsfreiheitsgesetz-3094/

Link zum RadGesetz (RadG): https://volksentscheid-fahrrad.de/wp-content/uploads/2016/07/RadG_2016_07_12-Änderungen.pdf

Diese Pressemitteilung bald im Online-Bereich: https://volksentscheid-fahrrad.de/presse/pressemitteilungen/

Informationen zum Volksentscheid Fahrrad: https://volksentscheid-fahrrad.de

Ansprechpartner für die Presse

Volksentscheid Fahrrad: Heinrich Strößenreuther, 0160-9744 2395, presse@volksentscheid-fahrrad.de

Über die Initiative Volksentscheid Fahrrad: Hinter dem Volksentscheid stehen Engagierte, Mobilitätsexperten, Demokratie-Retter und Fahrrad-Enthusiasten. Viele Verbände, Unternehmen und Wissenschaftler unterstützten das Anliegen, das Radverkehrsgesetz (RadG) schnell in Kraft zu setzen. Ziel ist, dass wir Berlinerinnen und Berliner sicher und entspannt Radfahren können; dafür hat die Initiative das Berliner Radverkehrsgesetz (RadG) erarbeitet. Nur mit dem RadG kann der Senat dauerhaft verpflichtet werden, schnell und aktiv eine gute Radinfrastruktur zu schaffen. Der 10-Punkte-Plan des geplanten Gesetzes benennt konkrete Maßnahmen, jährliche Zielsetzungen und eine Umsetzungsverpflichtung innerhalb von acht Jahren. Der Volksentscheid Fahrrad ist Berlins schnellster Volksentscheid: Der Antrag auf Einleitung eines Volksbegehrens wurde innerhalb von nur dreieinhalb Wochen von 105.425 Berlinern unterschrieben – 7% der Wählerstimmen. Die neue Koalition hat zugesagt, alle Ziele und Forderungen zu übernehmen, ein Mobilitätsgesetz auf Basis des RadGesetzes bis Frühjahr 2017 in Kraft zu setzen und ab 2018 jährlich mehr als 50 Mio. Euro in die Radwege zu investieren. Über 100 aktive Mitstreiter organisieren sich selbst durch Online-Projekttools und durch schnelle, handlungsorientierte Entscheidungsfindung. Der gemeinnützige Trägerverein Netzwerk Lebenswerte Stadt e.V. wurde gegründet und ermöglicht es der Initiative, Spenden entgegenzunehmen.

Warum wir am Frauentag über das Fahrrad sprechen müssen

„The bicycle has done more to emancipate women than any one thing in the world.”
(Susan B. Anthony, Pionierin der US-amerikanischen Frauenrechtsbewegung, 1896)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten bürgerliche Frauen in Westeuropa das Radfahren für sich. Sie stellten damit auch die damaligen Verhältnisse infrage, die es Frauen nicht erlaubten in der Öffentlichkeit ihre Interessen zu vertreten. Nur wenig später wurde zum ersten Mal der Internationale Frauentag gefeiert, der bis heute am 8. März stattfindet und ein wichtiger Tag für den Kampf der Frauen um gleiche Rechte ist. Nach wie vor haben Fahrräder emanzipatorisches Potenzial: Das wollen wir am diesjährigen Internationalen Frauentag würdigen.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden Frauen in Westeuropa kaum als selbstständig anerkannt. Sie hatten keine gleichberechtigte Position in der Gesellschaft und waren häufig von einem Mann oder ihrer Familie abhängig. Grund dafür war die Auffassung, dass Männer und Frauen bestimmte Rollen entsprechend ihres Geschlechts übernehmen müssten. Dass Frauen sich aktiv in Wirtschaft und Politik einmischten, war nicht vorgesehen und wurde von vielen Männern abgelehnt. Männer waren in der Öffentlichkeit aktiv und Frauen auf den privaten Bereich der Familie und des Haushalts beschränkt, der aber auch dem Mann offen stand. Dieses Rollenbild prägte die “Kernfamilie” bis weit ins 20. Jahrhundert hinein und tut es vielerorts auch heute noch.

Das „Sicherheits-Fahrrad“ brachte den Durchbruch

Das Radfahren wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert immer beliebter. 1884 kam das Sicherheitsniederrad auf den Markt – das „normale“ Fahrrad, wie wir es heute kennen, im Gegensatz zum davor üblichen Hochrad – und mit ihm der Beginn des modernen Radverkehrs.

Die Berlinerin Amalie Rother begann um 1890 mit dem Fahrradfahren, zunächst allerdings mit einem Dreirad. Welchen Anfeindungen sie dabei ausgesetzt war, schilderte sie wie folgt: “Sofort sammelten sich hunderte von Menschen, […] Bemerkungen liebenswürdigster Art fielen in Haufen, kurz, die Sache war das reinste Spießroutenlaufen, so dass man sich immer wieder fragt, ob das Radfahren denn wirklich alle die Scheußlichkeiten aufwöge, denen man ausgesetzt war.” Um den Anfeindungen zu entgehen und auch, weil Frauen in den Radsportvereinen nicht als gleichberechtigte Sportskameradinnen anerkannt wurden, gründete Rother den ersten Berliner Damenradklub. Sie erreichte sogar dessen Aufnahme in den Deutschen Radsport-Bund. „Wir waren jetzt nicht mehr ‚Damen als Gäste‘, sondern gleichberechtigte Kameraden. Wir hatten der Frau die Gleichberechtigung im Radfahrsport erkämpft.“

Radfahrende Frauen stellten die männlich geprägte Gesellschaftsordnung des ausgehenden 19. Jahrhunderts vor gravierende Herausforderungen. Denn sie hinterfragten damit auch die bislang vorherrschende Kleiderordnung. Der als züchtig angesehene knöchellange Rock eignete sich nicht zum Fahrradfahren. Mit hohem Aufwand wurden Modelle für das Radfahren entworfen – das Tragen von Hosen durch Frauen lehnten viele in der Gesellschaft ab. Auch die Entwicklung von Fahrrad-Bauformen ohne Oberrohr, welche mit Rock gut gefahren werden konnten, wurde dadurch vorangetrieben. Viele Pionierinnen lehnten diese Bauform jedoch ab, da sie zusätzliches Gewicht und weniger Stabilität mit sich brachte. Amalie Rother brachte die herrschende Unruhe in der Gesellschaft mit den Worten auf den Punkt: „Es [das Tragen von Hosen] ist nicht Sitte! Richtig! Aber warum sollte es nicht Sitte werden?“.

Um Frauen das Fahren zu verleiden und die vorherrschende Meinung zu stärken, radfahrende Frauen nicht zu akzeptieren, wurden sogar pseudowissenschaftliche Arbeiten verfasst. Darin wurden angebliche negative Auswirkungen des Radfahrens auf die Gebärfähigkeit aufgezeigt und gleichzeitig behauptet, dass Frauen den Fahrradsattel zur sexuellen Stimulation nutzten. Beide Argumente sprechen den Frauen nicht nur das Recht auf Öffentlichkeit ab, sondern auch das Recht auf eine eigenständige Sexualität. Die Debatte selbst war lebhaft mit dem Nebeneffekt, dass hier die weibliche Sexualität zum ersten Mal in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert und vorherrschende Bilder infrage gestellt wurden.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Fahrrad eines der Vehikel der gesellschaftlichen Emanzipation der Frau um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde und auch heute noch eine wichtige Rolle einnimmt. Es stellte die Trennung von privat und öffentlich, die vorherrschende Kleiderordnung und auch das vorherrschende Männlichkeitsbild infrage: Das Beherrschen des Fahrrads, insbesondere seiner Vorform des Hochrades, wurde als heroischen Meisterung einer gefährlichen Maschine angesehen. Dass jetzt auch Frauen dazu fähig sein sollten, zweifelte dieses Ideal an. Und schließlich war die Gründung von Damenradklubs ein Beitrag zur Selbstorganisation und der Schaffung geschützter Räume. Das Fahrrad justierte gesellschaftliche Verhältnisse neu. Rasch wurde es zum Verkehrsmittel der Wahl für Frauen.

Noch heute dürfen Frauen in manchen Ländern nicht Rad fahren

Die Suffragette-Bewegung, die für das Wahlrecht der Frauen kämpfte, nutzte das Fahrrad als Zeichen ihrer emanzipatorischen Bemühungen. Eine solche Bedeutung des Fahrrades liegt nicht nur in der Vergangenheit, sondern das Gleiche kann auch in heutigen Gesellschaften noch beobachtet werden. So ist Frauen in Saudi-Arabien oder dem Iran das Radfahren in der Öffentlichkeit gesetzlich verboten. In anderen Staaten ist es zwar erlaubt, jedoch wie in Europa vor 120 Jahren gesellschaftlich verpönt. Radfahrende Frauen riskieren dort noch heute Strafen oder Anfeindungen. Dennoch tun es einige und beginnen auf diese Weise, öffentlich eine selbstbestimmte Mobilität zu entwickeln und Normen aufzubrechen.

Dass auch in Westeuropa allein das Fahrrad für die Emanzipation nicht ausreichend war, zeigt sich in den Siedlungsstrukturen der Nachkriegszeit. Diese waren mit ihren großen Wohnanlagen und Eigenheimsiedlungen außerhalb der Städte komplett auf das Automobil ausgerichtet. Zusammen mit dem vorherrschenden Modell der Ein-Ernährer-Familie beschränkten diese eine selbstbestimmte Mobilität von Frauen auf die eigene Siedlung und zementierten somit städtebaulich die eigentlich überkommenen Rollenbilder. Bereits durch die feministische Stadtforschung der 1970er Jahre kritisiert, war und ist Verkehrs- und Stadtplanung noch zu viel und bis heute eine Männerdomäne.

Verkehrsplanung darf weiblicher werden. Verkehrsplanung muss mehr sein als “nur mit dem Auto schnell in die Stadt”, Verkehrsplanung muss die “freie Wahl für freie Bürger*innen” unterstützen: Mit ausreichend Platz, sicher, ohne Ängste, gleichberechtigt und in gutem Miteinander aller. Um eine gute Mobilität auf dem Rad für Alle zu erreichen, müssen verschiedene Lebenslagen und Bedürfnisse immer aus möglichst vielen Perspektiven mitgedacht werden. Wir vom Volksentscheid Fahrrad nehmen uns dieser Themen an.So gilt am heutigen Internationalen Frauentag: Lasst uns radelnd die Verhältnisse zum Tanzen bringen und Räume künftig gemeinsam erschließen.

Kommt zur Demo zum Frauentag 08.03.17

Die Frauen und Männer vom Volksentscheid Fahrrad radeln heute unter dem Motto „Mobilität ist weiblich” bei der Demo zum Internationalen Frauentag mit. Wir setzen uns für eine Infrastruktur ein, auf der sich alle sicher fühlen, und eine Mobilitätskultur, die Ansprüche aller Geschlechter berücksichtigt. Mehr Informationen zu heutigen Demo findet ihr auf der Webseite und unter Facebook. Ihr erreicht die Frauengruppe Radentscheid unter frauen@volksentscheid-fahrrad.de.